Schlussbericht zum Cybermobbing-Filmprojekt

Vorgeschichte:

Die Idee zu diesem Filmprojekt hatte ich im Herbst 2014 zu Beginn meiner selbstständigen Tätigkeit als Filmproduzentin.

Da ich auch in der Erwachsenenbildung als Medienpädagogin tätig bin und mich schon im Rahmen meiner Dissertation mit medienpädagogischen Inhalten in der LehrerInnenausbildung in Österreich auseinandergesetzt habe, erkannte ich den Bedarf eines Films zum Thema Cybermobbing, der im besten Fall an den Schulen als Unterrichtsfilm eingesetzt wird.

Ein weiteres Aufgabengebiet von mir ist die Lehre am Institut für Medienkommunikation der Alpen-Adria-Universität in Klagenfurt.

Ich entwickelte die Idee, diesen Film gemeinsam mit Studierenden des Instituts zu gestalten, da diese vom Alter her näher an den Jugendlichen dran sind, die ich als Zielgruppe für diesen Film ansehe.

Nach einigen Gesprächen am Institut und mit Ministerialrat Mag. Walter Olenksy vom Bildungsministerium erhielt ich von beiden Institutionen das GO für die Zusammenarbeit.

Da nicht klar war, welche Fähigkeiten und Fertigkeiten die Studierenden mitbringen würden, zog ich zu dem Projekt einen professionellen Kameramann und Cutter hinzu.

Für diesen musste eine Finanzierung aufgetrieben werden, und das war bei weitem das Schwierigste an diesem Projekt.

Auf Wunsch des Ministeriums sollte der Film ein Kurzfilm werden, der nicht alle Fragen zum Thema Cybermobbing beantwortet, sondern welcher als Motivationsfilm dienen soll, damit Jugendliche sich mit dem Thema weiter auseinandersetzen.

Durch die Länge –bzw. die Kürze des Films entsprach das Projekt nicht den Kriterien von zahlreichen Filmförderungsstellen, bei denen ich um finanzielle Unterstützung ansuchte.

Im Sommer 2015 stand zwar die Lehrveranstaltung für Herbst 2015, im Rahmen derer der Film entstehen sollte, nicht aber die Finanzierung der Kosten.

Die Plattform saferinternet.at sagte eine Kooperation zu, konnte sich aber auch nicht finanziell beteiligen. Barbara Buchegger von saferinternet.at gab mir den Tipp, mich bei netidee.at zu bewerben und Dank der Förderungszusage von netidee.at, die Ende September 2015 einging, konnte ich wenige Tage später erleichtert die Lehrveranstaltung beginnen.

Im Herbst 2015 stieg dann doch noch das Kärntner Landesjugendreferat als Förderer in das Projekt ein, und nach einem Jahr intensiver Vorarbeit war die Entstehung des Films endlich gesichert.

 

Umsetzung:

Ursprünglich hatte ich die Idee, einen Dokumentationsfilm zu dem Thema zu drehen, der möglichst viele Fragen beantwortet. Geplante Länge waren ca. 45 Minuten. Ministerialrat Mag. Walter Olensky hatte die Idee, statt einer Dokumentation etwas Neues auszuprobieren und einen 7-10 Minuten langen „Motivationsfilm“ zu machen, welcher die SchülerInnen für das Thema sensibilisieren und berühren sollte und als Anstoß für weitere Gespräche im Unterricht dienen kann.

Als nächstes hatte ich eine von SchülerInnen gespielte Cybermobbing-Szene im Kopf. Im Zuge der Recherche kam ich aber zu der Meinung, dass gespielte Szenen nicht real genug wirken würden und so entstand die Gewissheit, dass wir den Film mit Betroffenen machen müssen.

Nach zahlreichen Vorgesprächen mit Michaela Horn, einer Mutter, deren Sohn sich im Alter von 13 Jahren das Leben genommen hat, fasste ich den Entschluss, sie die Geschichte ihres Sohnes erzählen zu lassen.

Dazu verfasste ich keinen vorgegebenen Text für sie, denn authentisch wirken konnte das nur, wenn sie frei erzählt.

Im Oktober begann die Lehrveranstaltung, und bereits Anfang November hatten wir den ersten Drehtermin mit Frau Horn. Wir drehten ihren Part am Friedhof, wo ihr Sohn begraben ist, eine emotionale Herausforderung für sie und das ganze Team. Einige der Studierenden agierten als Regieassistenten, die anderen beobachteten die Dreharbeiten mit und achteten darauf, ob aus ihrer Sicht mit den Worten von Frau Horn Jugendliche auch erreicht werden können.

Noch im November erfolgte der erste Rohschnitt in Zusammenarbeit mit den Studierenden, bei dem wir die Reihenfolge der Erzählungen von Frau Horn festlegten.

Daraus entstand dann erst das endgültige Drehbuch, das ich gemeinsam mit den Studierenden erarbeitete und das vor Weihnachten an das Bildungsministerium übermittelt wurde.

Die Freigabe des Drehbuches erfolgte im Jänner, einen Tag vor unserem nächsten Drehtermin. Diesmal agierten die Studierenden als Statisten vor der Kamera, sie spielten jene Handlungen nach, die Frau Horn aus dem Martyrium ihres Sohnes erzählte und wir unterlegten diese Bilder ihren Erzählungen.

Ende Jänner folgte der Feinschnitt mit meinem Cutter und die Begutachtung und Freigabe durch das Bildungsministerium. Es drängte schon die Zeit, da der Film im Rahmen des „saferinternetdays 2016“ (9. Februar) vorgestellt werden sollte und die Filmpräsentation bereits für den 2. Februar festgesetzt war.

 

Ergebnis:

Pünktlich zur Filmpräsentation, die an der Universität Klagenfurt im Beisein von LR Dr. Beate Prettner, Landesschulratspräsident Rudi Altersberger, Univ.-Doz. Dr. Rainer Winter, Lucia Halbrainer von saferinternet.at, Michaela Horn und einem Großteil des Filmteams stattfand, stand unser Film „Setze ein Zeichen!“ auf youtube zur Verfügung.

In den ersten 24 Stunden nach der Präsentation wurde er unglaubliche 14.000 Mal angeklickt! Mittlerweile haben wir die 30.000 views überschritten. Damit haben wir wesentlich mehr Menschen mit dem Film erreicht als wir gehofft hatten, -und offensichtlich auch berührt, wie die zahlreichen Kommentare zum Film auf youtube zeigen. Die Medienberichterstattung über unseren Film hält bis heute noch an, zahlreiche Medien wie bspw. der ORF, RTL, Kurier, Kronenzeitung, Kleinezeitung, Antenne u.v.m. haben darüber berichtet.

 

Do´s & Donts´:

Rückblickend hätte ich mir mehr Zeit für die praktische Umsetzung des Films gewünscht. Tatsächlich war das Verhältnis zwischen Planungs- und Umsetzungsphase 2:1, hier wäre ein 1:1-Verhältnis stressfreier gewesen, aber das haben die Rahmenbedingungen nicht zugelassen. Die Länge der Planungsphase an sich war sehr gut, da vieles im Lauf der Zeit neu überdacht wurde und das Projekt dann richtig „reif“ war zur Umsetzung.

Ich bin froh, dass ich trotz großer finanzieller Startschwierigkeiten dem Gedanken im Sommer 2015 das Projekt aufzugeben, NICHT nachgegeben habe sondern weitergemacht habe. Es hat sich gelohnt! Ein großes DANKE an alle, die dazu beigetragen haben!

 

By | 2017-03-29T19:12:40+00:00 10.03.2016|Cybermobbing|0 Comments

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